Begleitevaluation von sechs Lokalen Gesundheitszentren (LGZ)
Um die Gesundheitsversorgung in sozial und gesundheitlich belasteten Bezirken zu verbessern, entstehen in Hamburg aktuell sechs Lokale Gesundheitszentren (LGZ). Die Ausrichtung der LGZ folgt dem PORT-Konzept der Robert Bosch Stiftung: Bereits seit 2015 fördert die Stiftung „Patientenorientierte Zentren zur Primär- und Langzeitversorgung“ an mehreren Standorten in Deutschland. Der Aufbau der Hamburger LGZ wurde zunächst über drei Jahre vom Senat der Freien und Hansestadt Hamburg gefördert. Die LGZ agieren an der Schnittstelle von Gesundheitsversorgung und sozialen Diensten agieren. Kennzeichnend sind:
- eine patientenorientierte Versorgung in lokal organisierten Zentren
- eine sektorenübergreifende Versorgung
- multiprofessionelle Teamarbeit von medizinischem, pflegerischem und sozialberatendem Personal auf Augenhöhe
- interdisziplinäre Zusammenarbeit von lokalen Beratungsstellen
- eine Querschnitts-/Primärberatung zur Verbesserung der sozialen Situation
- Angebote zur Prävention und Gesundheitsförderung
- eine gute Einbindung in den Bezirken
Die Hamburger Sozialbehörde und die Robert Bosch Stiftung haben eine Kooperationsvereinbarung geschlossen, um die Konzeption und Implementierung der neuen Zentren in Hamburg begleitend zu evaluieren. Die inav GmbH führte gemeinsam mit dem aQua-Institut eine Begleitevaluation der sechs LGZ durch. Ziel der Evaluation war die wissenschaftliche Begleitung der Überführung der Primärversorgungszentren in die Regelversorgung und die Messung der Zielerreichung.
Methodik
Die Evaluation ist im Mixed-Methods-Design angelegt und umfasst folgende Elemente:
- Teilnehmende Beobachtung in allen sechs LGZ
- Leitfadengestützte Interviews mit Stakeholdern in den LGZ sowie in den Bezirken
- Befragung von Patientinnen und Patienten bzw. Nutzerinnen und Nutzern
- Kleinräumige Routinedatenanalyse (Wirkungsanalyse auf Bezirksebene)
- Sekundärdatenanalyse der Leistungsdaten der LGZ
Ergebnisse
Die Ergebnisse zeigen: Die LGZ leisten bereits heute einen wichtigen Beitrag für eine niedrigschwellige, sozialraumorientierte und sektorenübergreifende Gesundheitsversorgung.
Im Beobachtungszeitraum wurden rund 2.700 Personen in insgesamt 7.755 Beratungen begleitet. Besonders die niedrigschwelligen Angebote helfen dabei, Versorgungswege zu eröffnen und Menschen zu erreichen, die im regulären System häufig auf Barrieren stoßen.
Die LGZ fungieren als Lotsen im komplexen Gesundheits- und Sozialsystem. Mit 2.463 Vermittlungen und 1.538 Zuweisungen tragen sie dazu bei, Versorgungsbrüche zu verhindern und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren zu stärken.
Die Nutzerperspektive fällt ausgesprochen positiv aus: 96,8 % der Befragten fühlten sich mit ihrem Anliegen verstanden, 98 % würden die Angebote weiterempfehlen.
Die Beratung reicht weit über medizinische Fragestellungen hinaus und umfasst Themen wie Wohnen, Finanzen, Pflege oder sprachliche Unterstützung. Damit werden soziale Faktoren adressiert, die einen entscheidenden Einfluss auf Gesundheit und Teilhabe haben.
Die Evaluation zeigt aber auch: Für eine nachhaltige Weiterentwicklung sind weitere Schritte notwendig, etwa bei der Digitalisierung, der strukturellen Verankerung sektorenübergreifender Zusammenarbeit sowie der langfristigen Finanzierung integrierter Versorgungsmodelle.
Die Lokalen Gesundheitszentren demonstrieren eindrucksvoll, welchen Mehrwert sozialraumorientierte und integrierte Versorgungsansätze für Bevölkerung, lokale Netzwerke und das Gesundheitssystem schaffen können. Gleichzeitig wird deutlich, dass erfolgreiche Modelle immer an die spezifischen Bedingungen vor Ort angepasst werden müssen.
Im September 2026 kommunizierte die Hamburger Sozialbehörde über eine Pressemitteilung, dass die Förderung der LGZ bis Ende 2030 verstetigt wird.
Der vollständige Abschlussbericht der Begleitevaluation steht hier zum Download bereit.
Finanziert wurde die Evaluation durch das Robert Bosch Center for Innovative Health am Bosch Health Campus in Stuttgart (ehemals Förderbereich Gesundheit der Robert Bosch Stiftung).

