DELIVER-CARE – Delegation und Vernetzung bei chronisch-inflammatorischen Erkrankungen

Themenfeld:
Modelle zur Weiterentwicklung von Versorgungsstrukturen und -prozessen

Bundesland:
Niedersachsen

Projektlaufzeit:
2019–2023 (ab Oktober 2019)

Projektbeschreibung:
Bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen handelt es sich um komplexe Krankheitsbilder mit einem hohen Versorgungsaufwand. Im derzeitigen Versorgungsalltag kann der enorme zeitliche Aufwand für eine optimale Behandlung nicht geleistet werden. Der fehlende oder stark verzögerte Zugang zu einer fachärztlichen Versorgung führt oft dazu, dass sich die Prognose und die Lebensqualität verschlechtert. Dieser Problematik ließe sich durch die Delegation von ärztlichen Tätigkeiten an medizinische Fachangestellte (MFA) entgegenwirken.

Ziel von DELIVER-CARE ist die Entwicklung eines Modells für die Delegation von ärztlichen Tätigkeiten an MFA bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen zu entwickeln. Die MFA sollen dabei eine eigene strukturierte Sprechstunde durchführen. Sie erheben derzeitige Symptome und die Verträglichkeit der Medikamente und dienen als primäre Ansprechpersonen bei besonderen Vorkommnissen, z. B. bei Medikamentennebenwirkungen. Anschließend werden die Befunde mit dem Patienten und dem Facharzt besprochen. Der Patient erhält so eine effektivere medikamentöse Therapie, individualisierte Aufklärungen und einen schnelleren Zugang zu Fachärzten.

Zur Evaluation von DELIVER-CARE wird eine randomisierte kontrollierte Studie durchgeführt. Im Rahmen der Studie soll die Effektivität dieser MFA-Sprechstunde im Vergleich zur Regelversorgung über 12 Monate geprüft werden. Für drei Krankheitsbereiche (Gastroenterologie, Rheumatologie, Dermatologie) wird geprüft, welchen Einfluss die MFA-Sprechstunde auf die Krankheitsaktivität hat und inwiefern sich patientenbezogene Faktoren wie z. B. Krankheitsbewältigung, Lebensqualität oder die Zufriedenheit verbessern. Darüber hinaus wird auch die Kosten-Effektivität geprüft.

Das Projekt wird für vier Jahre mit insgesamt ca. 2,2 Millionen Euro gefördert. Im Erfolgsfall kann das Konzept sowohl auf andere Regionen als auch auf andere Krankheitsbilder (z. B. Augenheilkunde) mit fachspezifischer Anpassung übertragen werden.

Konsortialführung:
Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Immunologie und Rheumatologie

Weitere Konsortialpartner:
Regionales Kooperatives Rheumazentrum e. V., Leibniz Universität Hannover – Center for Health Economics Research Hannover (CHERH), AOK – Die Gesundheitskasse Niedersachsen, inav – privates Institut für angewandte Versorgungsforschung GmbH

Ansprechpartner im inav:
Dr. rer. pol. Linda Kerkemeyer

Weitere Informationen unter:
Gemeinsamer Bundesausschuss