
Expertenbefragung zum Medizinforschungsgesetz
Opinion Paper „Klinische Forschung in Deutschland: Was nach dem Medizinforschungsgesetz noch zu tun ist“
Das im Juli 2024 verabschiedete Medizinforschungsgesetz (MFG) stellt einen wichtigen Meilenstein dar, um klinische Forschung in Deutschland moderner, effizienter und praxisnäher zu gestalten. Es verfolgt das Ziel, Prozesse zu vereinfachen, die Digitalisierung voranzutreiben, dezentrale Studienstrukturen zu stärken und damit den Standort zukunftssicher aufzustellen. Ob das Medizinforschungsgesetz (MFG) sein Potenzial voll ausschöpfen kann, hängt maßgeblich von seiner Umsetzung ab.
Das Opinion Paper liefert eine erste Bewertung des Medizinforschungsgesetzes und seine Konsequenzen für die klinische Forschungslandschaft in Deutschland. Es basiert auf einer qualitativen Befragung von Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Industrie, Versorgung und Patientenvertretung und bietet eine Einschätzung der neuen Regelungen sowie der Entwicklungsperspektiven des Forschungsstandorts Deutschland. In der qualitativen Befragung wurde deutlich: Das Gesetz wird als wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung klinischer Forschung wahrgenommen. Viele der darin enthaltenen Ansätze stoßen auf breite Zustimmung und werden als richtungsweisend eingestuft.
Gleichzeitig betonen die Befragten, dass der langfristige Erfolg maßgeblich davon abhängt, wie konsequent und praxisnah die Umsetzung erfolgt. Ziel muss es sein, eine umfassende Reform klinischer Forschungsbedingungen zu erreichen und die dafür notwendigen Rahmenbedingungen konsequent weiterzuentwickeln. Das MFG markiert nach Einschätzung der Expertinnen und Experten also nicht den Endpunkt, sondern den Auftakt eines längerfristigen Entwicklungsprozesses, um die Potenziale am Standort Deutschland zu heben. Es bleiben zentrale Schwächen bestehen, die im weiteren Gesetzgebungsprozess und in der Umsetzung adressiert werden müssen:
- Klinische Studien werden noch zu selten im niedergelassenen Bereich durchgeführt. Es fehlen strukturelle Anreize und Unterstützungsangebote sowie dezentrale Studien , die Arztpraxen dazu motivieren, sich zu beteiligen.
- Die Nutzung von Gesundheitsdaten für Forschungszwecke bleibt durch Datenschutzvorgaben sowie fehlende Standardisierungen und fehlende Interoperabilität stark eingeschränkt.
- Bürokratische Hürden, etwa bei der Vertragsgestaltung oder Studiendokumentation, erschweren die Teilnahme an Studien erheblich.
- Forschungsrelevante Inhalte sind in der medizinischen Aus- und Weiterbildung bislang nicht systematisch verankert.
- Es mangelt an langfristigen Konzepten zur Förderung und Qualifizierung von Studienpersonal, insbesondere außerhalb großer Zentren.
Das vollständige Opinion Paper können Sie hier herunterladen: Opinion Paper zum Medizinforschungsgesetz (MFG)